Roman Torres: Der Hulk von Panama

Roman Torres: Der Hulk von Panama

Die Stürmer aus England, Belgien und Tunesien werden es gegen das Bollwerk in der panamaischen Abwehr sicherlich nicht leicht haben. Denn hier sorgt Hulk für Ordnung. Der 99 Kilogramm schwere Roman Torres, dessen Tor das Team zur WM brachte.

Die Kindheit von Roman Torres verlief nicht ohne Sorgen. Fußball war die einzige anständige Beschäftigung auf den Straßen Panamas. Durch den Ball schloss man Freundschaften, so wie die des jungen Romans mit Rafael Palacio, der ihn ins Team des Chepo FC brachte. Den gibt es heute nicht mehr und ein paar Jahre später wurde sein Freund Palacio bei einer Schießerei getötet.

Torres hatte das Glück, den Kontakt zu lokalen Banden zu vermeiden und dafür sein Talent auf dem Fußballplatz zu entwickeln. Bei der ersten Sichtigung des Vereins waren außer ihm weitere 150 Jugendliche vom gleichen Schlag. „Wer will im Angriff spielen“, hieß es. Natürlich hoben alle ihre Hände – außer Torres. Zuerst wurden hundert Jungs aussortiert, dann weitere zwanzig, bis am Ende zwei Dutzend übrigblieben, zu denen Roman Torres gehörte.

„Ich wollte unbedingt Tore schießen, aber mir war klar, dass ich auch nicht zuschauen wollte. Deshalb bat ich darum, Verteidiger zu werden“, sagte er später einmal über seinen Karrierebeginn. Seine beeindruckende Dimensionen, die sich im Laufe der Jahre entwickelten, halfen ihm beim Spiel in der Defensive, wo er den Gegnern schon durch seine Statur Angst einflößte.

Von den Straßen Panamas zu den großen Fußballklubs

Von Chepo wechselteTorres schon bald zum San Francisco FC, einem Club mit großer Sporttradition in Panama, von wo aus er ein Jahr später für zehn Jahre nach Kolumbien ging. Von Januar 2006 bis August 2015 spielte er dort bei fünf Vereinen, am längsten bei den Millionaros in Bogota.

Aber auch in Kolumbien war es nicht unbedingt einfach für Roman Torres. Es blieb das Gehalt für drei bis vier Monate aus, viele ausländischen Spieler gingen aus dem Grund wieder zurück in ihre Heimat. Torres entschied sich die Suppe auszulöffeln, die er sich eingebrockt hatte, dann brach er sich zu guter Letzt auch noch das Schlüsselbein und konnte nicht mehr spielen.

Im Jahr 2015 wechselte Torres schließlich in die USA zu den Seattle Sounders, die bereits in der darauffolgenden Saison mit dem Vereinspokal der MLS ihren ersten Titel in der Geschichte gewinnen konnten. Und das, obwohl ihr Abwehrrecke Torres wegen eines Kreuzbandrisses während der ersten Monate auf US-amerikanischem Boden fast ein Jahr pausieren musste. Seine Erinnerung an diesen „dreimonatigen Alptraum auf Krücken“, wie er es nennt, ist eine 30 Zentimeter lange Narbe.

Nach Verletzungspech der endgültige Durchbruch

Nach der Meisterschaft in seiner „Seattle-Saison“ wurde Torres zum besten Spieler der lateinamerikanischen Fußballliga gewählt. Seine Rolle für den Teamgeist wurde immer schwerer zu übersehen. Am 11. Oktober 2017 gelang ihm, dem Verteidiger, schließlich das wichtigste Tor in der Geschichte Panamas. Sein 2:1 in der 87. Spielminute besiegelte die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 2018, der ersten des Fußballzwergs überhaupt.

Obwohl seine Proportionen eher an den Superhelden Hulk erinnern, verpasste man dem panamaischen Riesen in seiner Heimat den Spitznamen „Mazinger“. Das ist ein mächtiger Kampfroboter aus einem japanischen Anime der 70er Jahre. Bei der WM 2018 hat er den Status des schwersten Spielers des Turniers mit seinen geballten 99 Kilogramm Körpergewicht.

Als er bei der ersten Pressekonferenz von Panamas Team gefragt wurde, ob ihn das nicht störe, erhob sich Torres von seinem Stuhl und schob sein Hemd hoch. „Das ist meine Antwort“, erklärte er lächelnd den versammelten Medienvertretern. Der Engländer Harry Kane und Kevin De Bruyne aus Belgien sollten sich warm anziehen. Ein Aufeinandertreffen mit Roman Torres verspricht nichts Gutes.

[mb/russland.NEWS]

 

COMMENTS