Russlands Kicker immun bei Dopingkontrollen?

Russlands Kicker immun bei Dopingkontrollen?Foto: PIRO4D CC0 Creative Commons via Pixabay

Der Kronzeuge bei der Dopingaffäre im russischen Leistungssport, Grigori Rodschenkow, behauptet, dass die Profifußballer des diesjährigen WM-Ausrichters vor Kontrollen geschützt gewesen seien. Die Anweisungen dazu habe der ehemalige Sportminister und WM-Chef Witali Mutko persönlich gegeben.

Es ist bisher nur eine abenteuerliche Behauptung, die der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors vier Monate vor dem Beginn der Endrunde Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in den Raum stellt. Über einen Anwalt habe Rodschenkow der Nachrichtenagentur Associated Press auf Anfrage die Information zukommen lassen, dass die Fußballspieler des Gastgeberlandes bei den üblichen Dopingkontrollen Immunität genossen hätten.

Dass Russland auf solche Meldungen derzeit gut verzichten kann, liegt auf der Hand. Gegenwärtig kämpft sich ein zur Anonymität degradiertes Rumpfteam durch die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang. Auch hierbei kam es erst auf Initiative Rodschenkows zum Komplettausschluss der russischen Olympiamannschaft. „Das russische Team erfährt die Höchststrafe auf sportlicher Ebene“, jubelt Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sport-Bundes.

Fußball-WM wohl nicht in Gefahr

Nun befindet sich Russland erneut in Erklärungsnot. Er selbst hätte bei der Vertuschung von Doping geholfen, unterstellt Rodschenkow das angeordnete Kontrollverbot den zuständigen Behörden. „Die Fußballspieler waren immun gegen Doping-Kontroll-Aktionen oder Sanktionen“, sagt er und beschuldigt den stellvertretenden Ministerpräsidenten Witali Mutko. Von ihm sei die stikte Anweisung gekommen, jeglichen Skandal durch das Verbergen positiver Resultate zu vermeiden.

Das Thema Doping habe man intern regeln wollen, um Russland nicht durch mögliche Doping-Praktiken beim Fußball verstärkt in den Fokus zu rücken. Mutko ist, wie man mutmaßt auf Druck von oben, inzwischen von seinem Posten als Cheforganisator des Projekts Russia-2018 zurückgetreten und hat das Amt als Präsident des Russischen Fußballverbandes für ein halbes Jahr ausgesetzt. Rodschenkow belastet somit die gesamte russische Regierung und auch Präsident Putin.

Der vermeintliche Kronzeuge bezichtigt Wladimir Putin der direkten Mitwisserschaft. Sowohl im Fall der Olympiamannschaft, als auch jetzt bei den Spielern der Fußball-WM. Dieser wiederum fahndet nach Rodschenkow, der zur Zeit im Zeugenschutzprogramm des FBI untergetaucht ist, mit einem internationalem Haftbefehl. Laut Experten bestehe jedoch keine Gefahr, dass die belastenden Aussagen Einfluss auf die Weltmeisterschaft haben werden.

Normalerweise müsste ein solcher Vorgang im Vorfeld eines großen Turniers FIFA und WADA auf den Plan rufen. Hörmann indes sehe sich auf Grund des schlechten Abschneidens der gesichtslosen Russen in Pyeongchang bestätigt. „Das ist deutlich und klar erkennbar“, sagte er erst von wenigen Stunden. Anhand der ebenso erkennbaren Schwäche der russischen Fußball-Nationalmannschaft allerdings sollte man getrost davon ausgehen können, dass Rodschenkows Anschuldigungen offenbar nicht zutreffen.

[mb/russland.NEWS]

 

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