Tag 150 – Ungelöste Phänomene und andere Flapsigkeiten

Tag 150 – Ungelöste Phänomene und andere Flapsigkeiten

Zu den Phänomenen, die sich wohl niemals aufklären lassen, gehören für mich die Umstände, unter denen Eigenheimbesitzer im Saarland in Urlaub verreisen. Ich will jetzt nicht sagen, um wen es sich handelt, sonst krieg ich Ärger. Richtig Ärger.

Es war schon immer so: Fährt man in Urlaub, dann werden die Rollos heruntergelassen. Fenster verdunkelt. Neuerdings auch schon mal nur auf Halbmast, also nur halb heruntergelassene Rollläden. Quasi als untrügliches Zeichen dafür, dass der Besitzer des Hauses in Urlaub ist. Gilt natürlich auch als gute, althergebrachte Einladung an sämtliche Einbrecher. Die wissen ganz genau – ohne vorher selbst viel auskundschaften zu müssen –, wo sie leicht und schnell Beute machen können. Hoffentlich werden sich die ganzen Einbrecherbanden einig, wer welches Haus zu welchem Zeitpunkt übernimmt. Damit die sich nicht in die Quere kommen. Wär doch schlimm: Zwei rivalisierende Banden bekriegen sich im Haus meiner Schwiegermama.

Ähhh … natürlich nicht im Haus meiner Schwiegermutter. Das wäre jetzt völlig an den Haaren herbeigezogen. Sagen wir lieber … bekriegen sich im Haus einer Siedlung in der Nachbargemeinde. So. Kann unmöglich meine Schwiegermama da mit reineinziehen.

Es ist jedenfalls so: Fährt man im Saarland in den Sommerferien mal durch die Straßen, dann muss das für Räuberbanden ein regelrechtes Paradies sein. Die wissen vor lauter Vorfreude gar nicht, wo sie anfangen sollen. Ich frage mich jedes Mal: Was wird mit halb heruntergelassenen Rollos bezweckt? Wird sich wohl nie richtig aufklären lassen.

Über ein anderes Mysterium hatte ich demgegenüber ja bereits aufklären können: den sich langsam mit leeren Bierflaschen füllenden Stuhl auf einer Stehparty (siehe Tag 129 – „Trappatoniphobie“).

Aber es gibt weitere unerklärlich Phänomene:

Warum ist ausgerechnet der Bereich unmittelbar vor Urinalen in Männer-Toiletten immer total verspritzt? Wird da die Länge des Dödels regelmäßig vollkommen überschätzt oder was? Kann man das Teil nicht einfach reinhängen lassen?

Egal. Ich vermute, um mal einen Erklärungsversuch zu wagen: Männer wollen – tief im Innersten – geführt werden. Und ist keine Frau in der Nähe, befinden sich zahlreiche Männer in hilfloser Lage. Und es kommt noch dicker: Je mehr unmittelbar vor einem Urinal verspritzt ist, desto weiter stellen sich Männer vom Urinal weg. Wollen ja nicht hineintreten in das „Pielje“ (wie wir Saarländer zu „Pfütze“ sagen), das die Vorgänger hinterlassen haben. Ist wie mit Frauen: Am liebsten betritt man unbenutztes Terrain. Aber das … würde jetzt wirklich zu weit führen.

Manche schleichen sich aber auch breitbeinig ans verpieselte Urinal. Sind sie dann vorne angekommen, könnten mögliche Probleme dadurch unvermittelt auftauchen, dass jemand Anstalten macht, plötzlich das Nachbarurinal in Anspruch nehmen zu wollen. Zwei Breitbeinige nebeneinander geht eben nicht. Zu wenig Platz. Viele konzentrieren sich daher von vornherein auf die einzige Möglichkeit, unbedrängt ein Urinal benutzen zu können: Ich hab‘ in öffentlichen WC’s jedenfalls schon so manche Weitpinkelparade miterlebt. Für manchen WC-Besucher stellt sich sein Ansinnen später als Drahtseilakt heraus. Aber … ach, lassen wir das.

Ich weiß gar nicht, wie ich jetzt drauf gekommen bin, aber es scheint mich zu beschäftigen. Apropos Drahtseil – ein weiteres wohl nie aufklärbares Kuriosum: Schnappt man sich schnell seinen Laptop und stopft sich die Computermaus samt Kabel in seine Hosentasche, um zum Beispiel rasch mal zu einer Sitzung zu rennen, kann man getrost davon ausgehen – selbst bei kürzester Distanz –, dass die Strippen beim Herausziehen total „verknoddelt“, also wirr verwickelt, sind. Auch hier: Keine Erklärung möglich.

Genauso, wie wenn man dringend zu einer Feierlichkeit muss, zum Beispiel einer Hochzeit, und die Kinder müssen unmittelbar nach der Abfahrt nacheinander noch Pipi. Kinder müssen immer Pipi, sobald man das Haus verlassen hat.

Wie auch mit Geschenken: Je mehr Geschenke Kinder erhalten, desto unzufriedener sind sie. Ob das auch auf Erwachsene übertragbar ist? Je mehr man hat, desto mehr will man? Könnte sein. Macht Materialismus glücklich? Glaube nicht. Meine Tendenz geht jedenfalls hin zum Minimalismus. Einen Hut auf und ein Deutschlandtrikot drunter – und die Welt rundherum ist in Ordnung. Meistens lungere ich dann nämlich entspannt irgendwo rum. Rumlungern kann ich. Und die Jungs auch.

Apropos Rumlungern: Coole Namen für Ortschaften sind zum Beispiel: „Lungern“ (CH) oder auch „Rotzloch“, ebenfalls in der Schweiz. Wie es zu der Bezeichnung gekommen ist? Ich möchte es ehrlich gesagt gar nicht konkret wissen.

Es geht in der Schweiz sogar noch schlimmer, mit Orten namens „Arschbachgiessen“, „Besenbeiz zum Kuhstall“, „Böse Tritt“, „Bös F(a)ulen“, „Dräckloch“, „Dumedum“, „Duscherei“, „Gfroren Horn“, „Im Löchli“, „Im Nippel“ (was denken die sich dabei, um Himmels Willen!?), „Mösli“, „Mamishaus“, „Paradieshüreli“, „Schwaderloch“, „Saanenmöser“, „Stinki“, „Vollhose“, „Toote Chrieger“. Oh. Mein. Gott. Ich hatte die Schweiz anders in Erinnerung. Sagen wir mal … seriöser.

Wenn wir schon bei „seriös“ sind – es gibt auch zuverlässige Verbrecher. Unvergessen für mich bleibt der Brite Ben Innes aus Leeds, der ein Selfie von sich und einem Flugzeug-Entführer – während der Entführung natürlich – geschossen hat. Weiß nicht, wer von beiden verrückter ist. Das kannst du gesundheitstechnisch gar nicht alles aufarbeiten, geschweige denn beheben.

Das Bild sagt jedenfalls alles. Ein Gesichtsausdruck für die Ewigkeit. Die Redaktion von „jetzt“ schreibt zum Beispiel dazu (https://www.jetzt.de/netzteil/ben-innes-macht-ein-selfie-mit-flugzeugentfuehrer):

„Innes war eine von sieben Geiseln, die nach der gestrigen Entführung eines Flugzeugs der Egypt Air noch an Bord bleiben mussten. Der ägyptische Professor Seif Eldin Mustafa hatte die Maschine auf ihrem Weg von Alexandria nach Kairo entführt und zum Weiterflug nach Zypern gezwungen. Warum er das machte, ist noch nicht ganz klar. Auf Zypern ließ Mustafa relativ schnell die meisten seiner Geiseln frei.

Dem englischen Boulevard-Blatt Sun erzählte Innes, wie es zu dem Selfie kam. Der Arbeitssicherheitsbeauftragte (kein Witz, das ist sein echter Beruf) dachte, so könne er einen genaueren Blick auf die Bombe werfen, die sich später als Attrappe herausstellen sollte. Doch das wusste Innes natürlich während des Fotos noch nicht. Später sagte er der Sun, er habe zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu verlieren gehabt.

„Ich habe ein Mitglied der Crew gebeten, für mich zu übersetzen und fragte ihn (Mustafa, Anm. d. Red.), ob ich mit ihm ein Selfie mache könne. Er zuckte bloß mit den Schultern und sagte ‚okay‘, also hab ich mich neben ihn gestellt und in die Kamera gelächelt, eine Stewardess machte das Foto.“

Ich hoffe, unsere Truppe kommt in Russland nicht in eine solch prekäre Situation. Das hatten wir so ähnlich ja schon mal in Brasilien. Hatten damals voll die Arschkarte gezogen (Leser des Buches „Die Truppe – Logbuch eines Tagediebs“ wissen, wovon ich rede). Das mit der Arschkarte ziehen ist ja auch so eine Sache. Nur weil die früher keine Farbfernseher hatten, wurde in den 1960er Jahren so ein schlimmes Wort kreiert: Arschkarte. Früher wusste man immer, dass – wenn sich der Schiedsrichter an die vordere Brusttasche fasste – er da jetzt eine gelbe Karte rauszieht. Griff er sich dagegen an die hintere Hosentasche, wusste jeder: Der kriegt jetzt Rot. Bis heute ist uns der Ausdruck der „Arschkarte“ geläufig.

Ich kenne diese Redewendung nur zu Genüge, von Zuhause, meine ich. Meine Frau gönnt mir manchmal ja nicht mal das Schwarze unterm Fingernagel. Selbst um extra wieder zum Endspiel nach Moskau zu fliegen, musste ich hart kämpfen.

Unterdessen gibt auch unsere Katze zu Hause Rätsel auf: Jammert vor der Haustüre rum, kriegt sie von uns geöffnet, kommt in die Wohnung rein, rennt auf die Streu, macht ihr Geschäft, scharrt wild drin rum, läuft wieder an die Haustüre, miaut einen herzzerreißend an, um dann sogleich wieder vor die Haustüre gelassen zu werden. Ich hab‘ den Eindruck, da läuft was schief. Sie will uns wohl mit allen Mitteln gefallen und zeigen, dass sie uns mag. Aber egal. Ich bin sicher, die wäre auch ein gutes WM-Orakel geworden. Hätte euch bestimmt gut gefallen, den „Momo“ hausseitig in Action zu sehen.

Nun denn, diese Eigenschaft der „Gefallsucht“, also den Zwang, auf Teufel komm raus anderen Leuten gefallen zu wollen, findet sich dabei vor allem bei vielen verantwortlichen Politikern. Denen geht es oft nicht um die Sache, sondern alleine darum, selbst möglichst gut auszusehen. Was beschlossen wird? Pah, Nebensache. Dann wird irgendwas gemacht, um dem anderen einen Gefallen zu tun. Und der andere kommt dann und sagt: „Wie toll, dass das geklappt hat! Jetzt geb‘ ich dir dafür auch einen 5er ins Sparschwein!“ Und das Ganze geht wieder von vorne los. Dieser Teufelskreis hat doch irgendwann einen Anfang gehabt – aber warum findet er denn um Himmels Willen kein Ende …?!

Oh je. Jetzt drifte ich total ab. Fehlt nur noch, dass ich meinen Bekannten erwähne, der Sex nur machen kann, wenn er Teebeutelchen um die Ohren hängen hat. Aber vielleicht ist das ja auch nur eine Masche. Egal. Jedenfalls ist es so, dass immer, wenn ich ihn seh‘, ich ihn mir mit Teebeutelchen um die Ohren vorstelle. Ich krieg das Bild einfach nicht mehr aus dem Kopf. Furchtbar. Ganz furchtbar.

Es gibt überhaupt auf der ganzen Welt nur eine einzige Sache, die noch furchtbarer ist: Schlimmer als kein Bier ist warmes Bier. Aber darüber hatte ich ja schon berichtet (Tag 50 – „Was noch schlimmer ist als kein Bier …“.

Ungelöst auch folgendes Naturereignis: Egal, wie viel Pizza du vom Rand wegisst – es ist sofort neuer da.

Jetzt ist aber gut. Damit ich heute wenigstens ein klein bisschen was von Fußball erzähle, hier eine Nachricht, die mich traurig macht: Für den Gladbacher Stindl ist die WM gelaufen ist. Hat sich gestern auf Schalke bös verletzt. Schade, das wäre ein Guter für den Jogi gewesen. Gute Besserung, Lars.

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