Tag 195 – Fußball in der Antarktis

Tag 195 – Fußball in der Antarktis

Norberto scheiterte kläglich. Das Torwandschießen bei Oliver Pocher lag ihm nicht. Er ist eben mehr Mundwerker als Fußwerker. Stand in seiner Jugendzeit eben nicht auf dem Feld, sondern im Tor. Hätte sich Norberto beim Torwandschießen vor eines der beiden Löcher gestellt oder gelegt, er hätte womöglich den ein oder anderen Ball von Mario Basler halten können. So aber blieb er ohne Torerfolg. Aber immerhin: Er traf bei vier von seinen sechs Schüssen immerhin schon mal die Torwand an sich.

Hätte übrigens nie für möglich gehalten, dass ich unseren Norberto mal zusammen mit einem komplett nackten Kerl in einer TV-Sendung erblicken würde – ein „Flitzer“ raste zweimal splitternackt durchs Studio. Gut, dass es nicht umgekehrt war.

Ein anderer Freund von mir (ich kann jetzt nicht sagen, wer) hatte mal eine Wette angeboten, dass er während der Gremiensitzung zur Bundes-Steuerschätzung, die zweimal im Jahr zusammenkommt, als Flitzer auf sich aufmerksam machen wolle. Ich glaube, er sagte noch, das würde dann von den wahren Problemen des Saarlandes am besten ablenken. Tja, Flitzer auf der Sitzung der hochseriösen Steuerschätzer, das hätte was, definitiv.

Egal. Selbst der mexikanische Mariachi-Spieler traf jedenfalls öfter als Norberto. Ich hoffe, dass das kein böses Omen für Sonntag ist (erstes Gruppenspiel gegen Mexiko).

Unser Freund Maxim hatte Glück. Ihm ging es ähnlich wie mir: Er zeigte sich besorgt wegen des Einschreibens, das er hätte abholen sollen. Schob es auf die lange Bank. Dabei ging es um seine FAN-ID. Das Einschreiben war bereits mit einem „R“ auf dem Umschlag gekennzeichnet – R für Zurückschicken. Im letzten Moment holte er es heute doch noch ab. Gott sei Dank. Sonst wäre es in Russland umständlich geworden.

Gratuliere Oleg zu seinem Geburtstag. Reden dann noch ein paar Minuten. Sind uns einig, dass uns gerade im Moment einfach alles zu viel ist. Hoffen, dass wir in Russland trotzdem alles hinkriegen.

Unser Capitano hat dann noch eine eindringliche Warnung: an uns selbst. Er sei am Samstag mit Lew unterwegs gewesen. Und der sei derzeit kaum zu bändigen.

„Osvaldo, jeder muss in Russland auf jeden aufpassen! Jeder von uns ist auf seine eigene Art anfällig und gefährdet. Jeder für was anderes.“

Pflichte ihm bei. Aber wie meint er das?

Der Norberto mag essen, Frauen, feiern und trinken, klar. Der Oleg mag trinken, feiern, essen und Frauen. Auch klar. Der Lew mag Frauen, trinken, feiern und essen. Und bei mir ist’s feiern, trinken, Frauen und essen. Inhaltlich alles dasselbe, aber eben eine andere Schwerpunktsetzung. Die Reihenfolge ist bei jedem anders. Nur beim Maxim ist das anders. Er mag bloß Frauen. Wie bringe ich ihm bloß bei, dass wir beide in Moskau zusammen in einer kleinen Kapsel untergebracht sind?

Egal. Oleg hat recht. Wir müssen aufeinander aufpassen.

Daumen drücken tun wir beim Eröffnungsspiel ganz fest dem russischen Team. Wäre gut für die Stimmung im ganzen Land. Gewinnt Russland nicht, wird es auch für die Fans schwerer. Na ja, wird schon.

Die WM 2026 findet – leider – nicht in Marokko, sondern wie zu erwarten war in Mexiko, USA und Kanada statt. Da müssen wir dann höchstwahrscheinlich wieder hin. Selbstverständlich. Meine Frau muss natürlich auch ihren Senf dazu geben. Ich weiß nicht, wie ich das verstehen soll, aber sie meinte nur knapp, sie wäre dafür, mal eine WM in der Antarktis stattfinden zu lassen.

Die hat ja keine Ahnung!

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