Tag 49 – Von Vaterschaftsvermeidungsstrategien und heftigen Unterbringungsprotesten

Tag 49 –  Von Vaterschaftsvermeidungsstrategien und heftigen Unterbringungsprotesten

Mache mir Sorgen, weil die sich mit den Tickets noch nicht gemeldet haben. Wird doch nix schief gehen?

Ein anderer Freund von uns, der Sven, ein Orthopäde, wollte ursprünglich auch mit nach Russland, hat die Fahrt aber abgesagt. Er gibt an, beim besten Willen nicht mitkommen zu können. Angeblich bedauert er das.

Ich durchschaue sein Manöver natürlich sofort. Finde, das sind alles fadenscheinige Gründe, die er nennt. Behauptet er doch, voraussichtlich im Juni Papa zu werden.

Ist das etwa ein Grund? Entbindet er etwa selbst?  Er ist doch Orthopäde und kein Hebammer. Dachte ich zumindest immer.

Seine Frau hätte ihn angeblich gerne dabei. Bei der Geburt und auch in der Zeit danach.

Na ja. War eben ein gravierender strategischer Fehler, unbedingt zur Unzeit aktiv werden zu müssen. Hat sich wohl nicht im Griff. Was soll’s.

Da kommt’s mir gerade: Was wäre, wenn Norberto oder Lew oder Michel … oder ich … plötzlich erzählt kriegen, dass einer von uns … Papa werden würde …? Von irgendwoher. Oha, daran hatte ich noch gar nicht so richtig gedacht.

Ich stelle mir gerade vor, wie meine Frau eines Morgengrauens im Januar zu mir kommt und freudig erklärt, dass wir Nachwuchs kriegen. Unerwartet natürlich. … Boah. Das wäre hammerhart. Dann wäre die WM bestimmt gelaufen für mich. Aus der Nummer würde ich bestimmt nicht wieder rauskommen. Genau wie unser Freund. Verstehe ihn jetzt ein bisschen. Hat wohl eine ähnliche tickende Frau wie ich.

„Die ganze Situation ist ja regelrecht eine Zeitbombe“, denke ich mir. „Bleibt irgendwann in nächster Zeit die Regel aus, bin ich glatt geliefert.“ Es ist ja so, dass ich mit meiner Frau durchaus ständig zusammen lebe und manchmal kommt es ja auch zu … zu … sagen wir mal … Handlungen, die … … Nee, nee, das würde an dieser Stelle zu weit gehen, geht gar nicht. Kann ich nicht erzählen. Details schon mal gar nicht.

Um auf Nummer sicher zu gehen, notiere ich mir:

Sex-Verbot bis kurz vor WM-Beginn. Sex-Verbot bis NACH der WM.“

Nicht, dass meine Frau meint, ich käme etwa in Russland auf dumme Gedanken.

Norberto rief gestern übrigens an und meinte, er hätte eventuell eine Unterkunft in Saratow und einen Fahrer, der uns von Wolgograd bis Samara begleiten könnte. Vielleicht nehmen wir das freundliche Angebot an, mal sehen.

Ein anderes Angebot dagegen lehnten wir unter Empörung, unter heftiger! Empörung, ab:

Ein Freund, der in Russland wohnt, meint, er könne uns eventuell etwas beiseite stehen und uns in Russland helfen. Zwar nicht viel, aber vielleicht etwas bei der Unterkunftssuche.

Das Problem sei aber, dass das meistens Studenten und Studentinnen seien. Bei denen bestünde unter Umständen eine Unterbringungsmöglichkeit, aber dann meistens nur in schlichten Behausungen. Lehnen das natürlich sofort unter abwehrenden Handbewegungen wild gestikulierend ab. Quasi aus Gründen überlegenen Wissens. Wir wissen ja, wie sowas ausgehen kann. Zu Hause kommt man ungeschoren davon, vermeidet alles, um auch nur in der Theorie Papa zu werden, und in Russland erwischt es einen dann. Nein, kommt nicht in die Tüte. Nicht mit uns. So weit würde es noch kommen. Mit Studentinnen. Pah!

Norberto schreitet – für alle Anwesenden nicht ganz unüberraschend – nichtsdestotrotz kurzerhand ein und korrigiert unsere Haltung umgehend wieder und erklärt: „Wir sind einverstanden. Aber das mit den Studentinnen … das machen wir nur unter Protest. Damit das klar ist. Ganz klar, Freunde. Aber … wir wollen ja nicht so sein. Geht also klar. Kannst du ihnen schon mal sagen.“

Unser Freund nickt nur.

Oha. Wir blicken Norberto an. Sehe, wie er ganz selbstbewusst und wichtig guckt. „Tja, gesagt ist gesagt“, denke ich mir.

Danach blicken Lew, Michel und ich uns sekundenlang achselzuckend an, wohl alle drei mit der gleichen Einschätzung:

„Kann man eben nix machen.“

Kommen wir also zum nächsten Thema.

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