Tag 53 – Gims

Tag 53 – Gims

Habe den totalen Durchhänger. Nein, nicht wegen meiner Frau. Und wegen den Jungs schon mal gar nicht. Hätten schon vor einer Woche Bescheid bekommen sollen wegen den Tickets. Ob da was geht oder nicht. Bisher noch keine Rückmeldung. Hoffe, das klappt noch.

Nicht auszumalen, wir würden quer durch Russland reisen und hätten kein einziges Ticket in der Hand. Dann müssten wir uns voraussichtlich wohl oder übel dem Trunke hingeben und nachher so tun, als seien die Spiele überall und allesamt toll gewesen.

Michel schlägt daher vor, sich zusätzlich auch noch auf anderen Wegen um Tickets für die Spiele der deutschen Mannschaft zu bewerben. Die FIFA bietet dazu fünf  unterschiedliche Verkaufsphasen an, zum Teil per Losverfahren, zum Teil nach Reihenfolge des Bestelleingangs.

Die beiden ersten Verkaufsphasen sind bereits abgeschlossen. Da haben wir aber nicht mitgemacht, denn dafür hätten wir Spiele ins Blaue hinein beantragen müssen, ohne dass der Spielplan ausgelost gewesen wäre. Nachher hätten wir zwar sicher Tickets in der Hand gehabt, womöglich aber für die unglaubliche Partie Saudi Arabien gegen Ägypten. Oder das Gigantenduell Iran gegen Marokko. Oder Tunesien gegen Panama. Die sind tatsächlich alle für die WM qualifiziert, letztlich also höher einzuschätzen als die Holländer oder Italiener oder Chilenen oder Gabuner, obwohl die doch den Aubameyang haben. Dortmund, also der BVB, hat den jedenfalls nicht mehr so lange, da bin ich mir sicher.

Na ja, jedenfalls bewahrten wir Gott sei Dank Ruhe und steigen erst jetzt zur dritten Phase ein, wo der Spielplan schon feststeht. Hier mal ein Screenshot:

Ein weiterer Grund für den Durchhänger: Ich faste nun schon den vierten Tag in Folge. Also einfach nichts essen, nur trinken. Nein, auch kein Bier, das ist beim Heilfasten verboten. Und andere schmackhafte Sachen auch. Aber ich bin gewillt, das durchzuziehen.

Warum ich mir das antue? Möchte meinen Körper einfach mal entschlacken und entgiften. Nicht nur meine Frau macht schließlich seit Jahren einiges mit mir mit, nein, auch mein eigener Körper. Mit der Zeit sammelt sich da einiges an. Eigentlich erwischt es meinen eigenen Körper noch schlimmer als meine Frau. Schenke mir ja nix. Gebe immer 100 Prozent. Egal wie, wo und wann. So gesehen hat es meine Frau regelrecht gut im Vergleich zu mir selbst. Während mein Körper ja Tag für Tag bei mir ist, kommt sie noch relativ glimpflich davon, weil ich ihr ja nur ab und zu über den Weg laufe. Ich war jedenfalls zum Fasten fest entschlossen!

Gut, am Ende des ersten Tages hielt ich es nicht mehr aus, kriegte Heißhunger und schnappte mir, was mir in der Vorratskammer so in die Finger fiel. Ich musste nur aufpassen, dass meine Frau nix davon mitbekam. Sie war nämlich ganz stolz auf mich (wann kommt das schon mal vor!), dass ich endlich mal was Sinnvolles mache.

Wartete also extra, bis sie schon im Bett war. Dann schlug ich zu. Ging alles ganz schnell. Und was für leckere Sachen! Mon Chérie, Gummibärchen und Erdnüsse. Schön abwechselnd. Ach, wie herrlich! Hat mir den Tag gerettet.

Mmmhhh … Ein bisschen Ärger steigt dann doch in mir auf. Mist – nur zwei Minuten später und ich hätte es geschafft gehabt. Meinen ersten Fastentag. Nein, ich musste ja unbedingt den „Gimsanfall“ erleiden.

Saarländer wissen, was „Gims“ ist: Heißhunger in seiner schlimmsten Form. Geht über den normalen Heißhunger noch mehrere Stufen hinaus. Man kann sich einer Gimsattacke schlicht nicht entziehen. Wenn der Gims auftaucht, bist du am besten woanders.

Aber mich traf es eben. Na ja. Nahm mir dann vor dem Einschlafen vor, eben am folgenden Tag anzufangen. Aber so richtig. Meine Frau hat ja ihre Unterstützung zugesagt. Da kann jetzt echt nix mehr schief gehen.

Und es klappte. Morgens schön ein paar Esslöffel Glaubersalz in einem halben Liter Wasser aufgelöst und hinein in den Schlund.

So ein Fasten hat natürlich nicht nur Vorteile, es hat auch Nebenwirkungen. Und was dann ein paar Augenblicke nach dem „Hinein in den Schlund“ kam, … … darauf möchte ich an dieser Stelle nicht wirklich eingehen.

Jedenfalls weiß ich jetzt, woher das Synonym „Ausfluss“ für den Begriff „Auswirkungen“ herkommt.

 

 

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