Ukrainischer Künstler illustriert Boykottaufruf, den es gar nicht bräuchte

Ukrainischer Künstler illustriert Boykottaufruf, den es gar nicht bräuchteGrafik: Andriy Jermolenko

Wenn man am Vortag des Eröffnungsspiels in den Alltag St. Petersburgs blickt, so möchte man meinen, die Gastgeber selbst wären die größten Boykotteure dieser Fußball-Weltmeisterschaft. Zwar hat man die Straßen großzügig WM-gerecht aufdekoriert, aber überbordende Vorfreude sieht irgendwie anders aus.

Während zuhause im Land der Titelverteidiger jeder Brezelverkäufer sein ultimatives WM-Sortiment wie Devotionalien versucht unter die Leute zu bringen, muss man hier schon gezielt danach suchen, ob sich nicht doch noch ein versteckter Hinweis auf der Packung Chips versteckt. Das WM-Fieber grassiert offenbar überall auf dieser Welt, nur nicht dort, wo das Spektakel stattfindet.

Im Umkehrschluss bedeutet das, man hätte das Turnier gar nicht groß mit Boykottaufrufen überziehen müssen, die Russen kümmern sich schon selber drum. Es ist offenbar der Westen, der versucht ein Problem großzureden, wo es eigentlich gar keines gibt. Man fragt sich hier ohnehin, ob der Event nicht nur für andere installiert worden ist.

Von Krähen und deren Augen

Besonders der „kleine Bruder“ aus dem Nachbarland Russlands, der Ukraine, nutzt die Gelegenheit, um einmal mehr seine Antipathie gegenüber dem Quotenaggressor all denen zu verkünden, die es hören wollen oder auch nicht. Auf der „freiwilligen Info-Seite“ Inform-Napalm hat man das ganz nett in Szene gesetzt. Hier wird ein ukrainischer Künstler vorgestellt, der das Thema Boykott in einer Bilderserie umgesetzt hat.

Andriy Jermolenko verwurstet die WM mit Symbolen, die Tod, Verwüstung und Missachtung suggerieren. Da wird der Krieg in Syrien mit toten Babys gleichgesetzt, der Abschuss der MH-17, von wem auch immer, darf natürlich nicht fehlen. Der sich wiederholende WM-Pokal, im Original geschaffen vom italienischen Bildhauer Silvio Gazzaniga, wird zur Fratze degradiert. Die angestrebte Symbolkraft jedoch bleibt irgendwie aus und wirkt naiv.

Aus Jermolenkos Feder stammt auch ein Video, dass wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Angeblich, so weiß es die Inform-Napalm-Seite, wurde der Clip auf Facebook bereits gesperrt und nach langem Kampf endlich doch wieder freigegeben. Vermutlich waren es ja wieder die russischen Trolle.

Nun muss man sich als neutraler Beobachter jedoch fragen, wen man nun wirklich beschuldigen soll. Den einen, weil er beschuldigt wird, oder den anderen, weil er beschuldigt? Fest steht nur: Da schenken sich beide nichts, das ist das Fatale an der Geschichte. Krähen hacken sich untereinander scheinbar doch die Augen aus.

[mb/russland.NEWS]

COMMENTS