WM-Stadt Moskau: Das Herz des russischen Bären

WM-Stadt Moskau: Das Herz des russischen BärenFoto: Makalu CC0 Creative Commons via Pixabay

Moskau, so weiß man, ist die Hauptstadt der Russischen Föderation. Wie könnte es dann anders sein, dass es hier gleich zwei Stadien gibt, in denen Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ausgetragen werden. Dass Moskau vieles mehr zu bieten hat als nur die Spiele dieser WM, wollen wir zum Abschluss unserer kleinen Reise durch die Spielorte des Turniers zeigen. Mit offiziell rund zwölf Millionen Einwohnern ist Moskau vor allem eines – ein einziges Verkehrschaos. Kein Wunder, die Stadt ist nach Istanbul die zweitgrößte in Europa. Die eigentliche Stadtgrenze liegt gut hundert Kilometer vom Roten Platz, dem Zentrum Moskaus, entfernt.

Luschniki-Stadion

Die größte Arena der Fußball-WM 2018, das altehrwürdige Luschniki-Stadion, hat schon viele Höhepunkte in seiner glorreichen Geschichte erlebt. Eines dieser Highlights waren zweifellos die Olympischen Sommerspiele von 1980. Etliche Weltmeisterschaften in allen Disziplinen sowie Konzerte namhafter Künstler und andere Großveranstaltungen fanden hier bereits statt. Um es für einen weiteren Event der Superlative auf den neuesten Stand zu bringen wurden noch einmal 445 Millionen Euro investiert. Modernisiert wurde das ursprünglich bei der ersten landesweiten Spartakiade 1956 eröffnete Stadion von der renommierten, preisgekrönten Architektensozietät GMP aus Hamburg.

Während der WM 2018 wird das Luschniki-Stadion nun 81.000 Zuschauern Platz bieten. Der Hauptaspekt des 2013 begonnenen Umbaus war die Erhaltung der historischen Fassade des Bauwerks, einer der markantesten Orientierungspunkte Moskaus. Der Innenraum des Luschniki-Stadions hingegen wurde komplett neu gestaltet. Da dem Fußball bei der Nutzung der Sportstätte schon immer eine tragende Rolle beigemessen wurde, verschwand im Zuge der Umbauarbeiten auch die Tartanbahn um das Spielfeld herum. Um die Folgenutzung dieses Fußballtempels, dem drittgrößten in Europa, muss man sich keine Sorgen machen. Das Luschniki wird weiterhin der Hauptaustragungsort für die Heimspiele der russischen Fußball-Nationalmannschaft sowie internationaler Begegnungen auf Vereinsebene sein.

Zunächst werden neben dem Eröffnungsspiel der WM 2018, Russland gegen Saudi Arabien, die Teams aus Deutschland, Mexiko, Portugal, Marokko, Dänemark und Frankreich eines ihrer Gruppenspiele hier austragen. Des weiteren stehen ein Achtel- und das Halbfinale auf dem Programm, bevor am 15. Juli die WM mit dem Endspiel in diesem Stadion abgeschlossen wird.

Otkrytije Arena

Seine Feuertaufe erlebte die zweite Moskauer Spielstätte der WM bei vier Begegnungen des Konföderationen-Pokals 2017. Allerdings war das Stadion bereits seit 2014 für Spartak Moskau, einem von fünf namhaften Vereinen der Hauptstadt, als Heimspielstätte in Betrieb. Im Jahr 2010 begann man nach mehreren Zerwürfnissen mit diversen Baufirmen endlich mit dem Neubau der ursprünglich für 65.000 Zuschauer geplanten Arena, durch das US-amerikanische Multi-Unternehmen AECOM aus Los Angeles. Wegen der immensen Baukosten wurde die Kapazität nach und nach verringert, so dass letztendlich ein Stadion mit 45.360 Plätzen herausgekommen ist. Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt rund 225 Millionen Euro.

Das Augenmerk der Fassade beruht auf roten und weißen, rautenförmigen Elementen, die die Vereinsfarben von Spartak Moskau symbolisieren. Es ist wohl kein Zufall, dass das Stadion insgesamt stark an die Allianz Arena in München erinnert. Wie auch in München kann am „Spartak-Stadion“, so der inoffizielle Name, die Farbe der Fassade, gewechselt und somit der jeweiligen Veranstaltung angepasst werden. Da die Otkrytije Arena ohnehin für den international renommierten Stadtverein Spartak Moskau gebaut wurde, wird der russische Rekordmeister das moderne Stadion auch nach der Fußball-Weltmeisterschaft für seine Heimpartien nutzen.

Sehenswert in Moskau

In unserer kleinen Vorstellung der Städte, die für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 als Austragungsorte auserkoren wurden, sämtliche touristischen Höhepunkte Moskaus zu erwähnen, würde deutlich den Rahmen sprengen. Ein „Pflichtbesuch“ des Roten Platzes wird jedoch auf alle Fälle auf dem Programm eines jeden Besuchers der Hauptstadt stehen. Touristen finden bereits hier eine ganze Reihe der zentralen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Auf kleiner Fläche liegen die Zarenglocke, das größte Geläut der Welt,, das Mausoleum Lenins, die Basilius-Kathedrale, die Rüstkammer mit all ihren Schätzen und die historische sowie die heutige Machtzentrale von Russlands Zaren und Präsidenten, der Kreml, jeweils einen Steinwurf voneinander entfernt.

Am Rande des, von der charakteristischen Ziegelmauer umgebenen, Areals steht das legendäre Kaufhaus GUM. Das heutige Zentrum des Luxusshoppings aus dem späten 19. Jahrhundert mit seinen Lichtdurchfluteten Passagen, über die verschnörkelte Brücken und Stege führen, gleicht einem prachtvollen Ameisenhaufen. Die sich daran anschließende Twerskaja Straße lädt zum Flanieren auf hohem, wenngleich auch dementsprechend teuren, Niveau. Man sollte sich unbedingt auch die Ruhe in einer der kleinen, Fußgängern vorbehaltenen, Seitengassen gönnen. Weit lebhafter, obwohl inzwischen ebenfalls zur Fußgängerzone geworden, präsentiert sich der Arbat, westlich des Kremls. Er ist gleichermaßen Hauptgeschäftsviertel, als auch kulturelles Zentrum.

Bemerkenswert ist, dass des Stadtgebiet mit seiner Fläche von 2511 Quadratkilometern zu etwa einem Drittel aus Grünflächen besteht. In Moskau gibt es ungefähr einhundert Parks und über achthundert gepflegte Grünanlagen, die mit rund fünfhundert Teichen bewässert sind. Rings um die Stadt zieht sich der fast vierzig Kilometer lange Stadtwaldgürtel mit einer Fläche von 1725 Quadratkilometern. Das größte Waldgebiet Moskaus ist der über einhundert Quadratkilometern große Nationalpark Lossiny Ostrow, zu deutsch „Elchinsel“, im Nordosten der Stadt. Ein weiterer, etwas kleinerer Wald ist der Bitza-Park am südwestlichen Stadtrand. Einen schönen und weitflächigen Blick auf das riesige Moskau hat man von den Sperlingshügeln am rechten Moskwaufer herab.

Sehenswerte Zeugnisse aus der stalinistischen Epoche der Metropole im sogenannten Zuckerbäckerstil finden sich allerorts im Stadtgebiet. Eindrucksvolle Beispiele im Zentrum sind die Lomonossow-Universität, die „sieben Schwestern“, die Regierungsämter beherbergen, oder die Hotels Ukraina und Peking, um nur die berühmtesten Vertreter dieses sozialistischen Klassizismus herauszugreifen. Eine weitere Hinterlassenschaft aus der Sowjetunion der 30-er und 40-er Jahre und ein besonderer Besichtigungstipp sind die „Paläste des Volkes“. Im Jahr 1932 wurde in Moskau mit dem Bau der Metro und deren extravagant ausgestalteten Stationen begonnen. Jeder dieser U-Bahnhöfe schreibt ein Kapitel für sich und glänzt mit seinen Besonderheiten.

Gastronomie in Moskau

Das Gastro-Angebot im Zentrum Moskaus ist schnell kategorisiert. Es reicht von unverschämt teuer über extrem teuer bis hin zu immer noch teuer. Angeboten wird ohnehin alles, was die internationale Küche hergibt. Eine relativ preiswerte Alternative bieten diverse Straßenstände mit kleinen Snacks auf die Hand, sowie die allseits bekannte Systemgastronomie verschiedener Restaurantketten. Die Frage lautet also nicht, wo und mit was man seinen Hunger stillt, sondern zu welchem Preis. Attraktiv für Gaumen und Geldbeutel sind dagegen die kleinen Imbiss-Gelegenheiten, die man bei den Wochenmärkten findet. Hier werden hauptsächlich regionale Produkte liebevoll zubereitet. Das Interesse an Bio-Lebensmitteln hat mittlerweile auch Russland erreicht.

[mb/russland.REISEN]

Foto: Makalu CC0 Creative Commons via Pixabay

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