WM-Stadt St. Petersburg: Kulturhochburg im Norden

WM-Stadt St. Petersburg: Kulturhochburg im NordenFoto: hebnyjwc CC0 Creative Commons via Pixabay

Die Fünfmillionen-Metropole St. Petersburg gehört schon lange zu den internationalen Tourismus-Highlights. Seit seiner Gründung im Jahre 1703 präsentiert sich das „Venedig des Nordens“ als moderne und zukunftsorientierte Weltstadt. Weder die Namensänderungen in Petrograd und Leningrad Anfang des 20. Jahrhunderts, noch die 900-tägige Belagerung im Zweiten Weltkrieg konnten der ehemaligen Zarenstadt an der Newa ihren Stolz nehmen. Kultur und Geschichte begleiten den Besucher hier auf Schritt und Tritt.

Krestowski-Stadion

Der von dem japanischen Architekten Kisho Kurokawa entworfene Fußballtempel am Finnischen Meerbusen konnte nach zehn Jahren Bauzeit im April 2017 endlich mit einem Fußballspiel eröffnet werden. An der gleichen Stelle stand vor Baubeginn bereits das Kirow-Stadion, das gänzlich abgerissen wurde. Ein endloses Gezeter über wechselnde Auftragnehmer und zum Teil explosionsartig steigende Kosten, garniert von schweren Korruptionsvorwürfen bis hin zur Beschuldigung, auf der Baustelle würden nordkoreanische Sklavenarbeiter ausgebeutet, überschattete die Bauarbeiten. Das Stadion mit Blick auf das Meer hat als erste Fußballarena Russlands ein Schiebedach, der geplante ausfahrbare Rasen wurde bisher aber noch nicht realisiert.

Den endgültigen Preis der Arena wird man wohl nie erfahren – die Schätzungen schwanken zwischen 615 und 685 Millionen Euro. Das entspricht dem Siebenfachen dessen, was ursprünglich veranschlagt wurde. Während der Fußball-Weltmeisterschaft soll die „fliegende Untertasse“ 68.000 Zuschauern Platz bieten. Die internationale Generalprobe während des ConFed-Cups 2017 verlief hervorragend. Die Folgenutzung des Stadions ist ebenfalls gesichert. Schon jetzt trägt der örtliche Fußballklub Zenit St. Petersburg seine Heimspiele seit der Fertigstellung in der WM-Arena aus. Dabei lag die Auslastung bei den bisher neun bisher absolvierten Spielen bei rund 65 Prozent mit durchschnittlich 44.500 Zuschauern. Das ist mit Abstand russischer Ligarekord.

Der nördlichste Spielort der WM 2018 empfängt in der Gruppenphase neben Gastgeber Russland, Ägypten, Marokko, Iran, Brasilien, Costa Rica, Nigeria und Argentinien. Außerdem finden hier ein Achtel- und ein Halbfinale sowie das Spiel um den dritten Platz statt.

Sehenswert in St. Petersburg

Ausführliche touristische Tipps für die „Kulturhauptstadt Russlands“ zu geben, würde hier den Rahmen sprengen. Alleine die Gästezahlen von mehr als fünf Millionen jährlich sprechen eine deutliche Sprache. Wer zum ersten Mal hier anlandet, kommt natürlich nicht um die weltberühmte Eremitage herum – eines der größten Kunstmuseen der Welt. Für Ballett- und Opernfans ist das Mariinski-Theater ein Muss. Neben dem altehrwürdigen Gebäude besitzt es inzwischen einen modernen Konzertsaal und eine noch modernere Zweite Bühne, die beide ganz in der Nähe des Traditionshauses am Theaterplatz beheimatet sind.

St. Petersburg wird gern als „Venedig des Nordens“ bezeichnet, denn die Stadt ist von einem weitverzweigten Fluss- und Kanalsystem durchzogen, das natürlich ideal ist für Bootstrips der verschiedensten Couleur – wer möchte, kann sich traditionell auf einer der vielen Touristen-Barkassen durch die Stadt schippern lassen, um dabei detailliert die Geschichte der vorbeiziehenden Stadtlandschaft geboten zu bekommen. Wer es exklusiver haben will, hat die Möglichkeit, individuell einen kleinen Kahn anzumieten und sich nach eigenem Programm über Newa & Co zu bewegen. Während der Fußball-Weltmeisterschaft regieren in St. Petersburg die Weißen Nächte und es ist ein bleibender Eindruck, nachts die geöffneten Brücken vom Wasser her zu genießen. Bedenken muss man allerdings, dass während dieser Stunden kein Weg über den Fluss führt.

Wer genug hat vom Flanieren über den Newski und das atemberaubende Rund des Schlossplatzes schon verinnerlicht hat, sollte den Touristenpfaden den Rücken kehren und sich in den weniger hochherrschaftlichen Vierteln der Stadt umsehen. Jeder Stadtteil erzählt seine eigene Geschichte, die durch die unterschiedlichsten Baustile quer durch die Epochen illustriert wird. St. Petersburg verfügt über eine der größten intakten historischen Innenstädte Europas, die dem aufmerksamen Besucher einige Überraschungen bietet. Allein die vielen Hinterhöfe, die sich hinter den Häuserfassaden verstecken, sind einen Abstecher wert, denn hier steckt das wahre St. Petersburg. Dort zeigt die Stadt ihr Alltagsgesicht ohne Schminke und Leuchtreklamen.

„Piter“, wie St. Petersburg auch gerne genannt wird, war und ist die Wirkungsstätte vieler bekannter Künstler und Autoren. Literaturbegeisterte Zeitgenossen finden jenseits des Heumarktes noch heute die Häuser, in denen Dostojewskis Helden ihr Dasein fristeten. Den einstigen Glanz der Zaren und des höfischen Lebens der knapp zweihundert Jahre zwischen der Stadtgründung und dem Sturz des letzten Zaren im Zuge der Oktoberrevolution, kann man auch an den Sommerresidenzen außerhalb des Stadtzentrums erahnen. Busse und Schiffe bringen Besucher bequem in die herrschaftlichen Vororte Peterhof und Zarskoje Selo, wo einst das Bernsteinzimmer die Wände des Katharinenpalastes schmückte.

Gastronomie in St. Petersburg

Zum Essen, Ausgehen und Feiern bietet gerade St. Petersburg grenzenlose Möglichkeiten. Berühmt ist die „Gastromeile“ an der Rubinstein-Straße, einer Nebenstraße des Newski Prospekts, wo sich Restaurants und Szenekneipen aneinanderreihen und die Qual der Wahl so richtig schwerfällt. Die Preiskategorien im Zentrum schwanken von moderat bis hin zur gehobenen Klasse. Unnötig zu erwähnen, dass sich die Speisekarten mitunter lesen wie eine Weltumrundung. Wer es einfacher und günstiger haben will, sollte eine der vielen Kantinen besuchen, die es über die gesamte Stadt verteilt an fast jeder Ecke gibt. Hier serviert man gute Hausmannskost zu sehr zivilen Preisen. Für den kleinen Hunger zwischendurch bieten sich die kleinen Stände an, die süßes und herzhaftes Backwerk feilbieten.

[sb/russland.REISEN]

COMMENTS

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    Negaküsschen 4 Monaten

    sb achtet auf die richtigen Worte. Bemerkenswert genau.
    Die Aufzählung einer speisenvielfalt ist in der speisenkarte verewigt. In Russland gibt es keine Auswahl, daher wird ausdrücklich Dad Wort Speisekarte gewählt.

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      Quatsch.
      Erstmal gibt es in Russland eine gewaltige Auswahl.
      Das n in Speisenkarte hat nichts mit dem Plural zu tun. Trotzdem hält es sich hartnäckig, besonders bei Leuten, die meinen, durch dieses n über die Umgangssprache hinauszugreifen. Dann bildet nicht die Sprache ein Wort, sondern das außersprachliche Motiv und die scheinbare Verpflichtung, den Plural bedienen zu müssen. In so einem Fall spricht man nicht von einer morphologischen, sondern von einer motivierten Wortbildung. So könnte die „Speisenkarte“ in die Welt gekommen sein.
      Laut Duden sind beide Möglichkeiten möglich, aber „Speisekarte“ bevorzugt. Analog zu den bestehenden Mustern Speiseeis, Speisefett, Speisefisch, Speisegaststätte, Speisekartoffel, Speiseröhre, Speisewagen, Speisezimmer, Speiseaufzug.

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